Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens & Gute wissenschaftliche Praxis

Table of Contents

  1. Grundlegendes zum wissenschaftlichen Arbeiten
  2. Publikationstypen und Aufbau einer Publikation
  3. Peer Review als Qualitätssicherung
  4. Gute wissenschaftliche Praxis (GWP)

1 Grundlegendes zum wissenschaftlichen Arbeiten

Lernziele:

  • Grundlage und Ziel wissenschaftlichen Arbeitens
  • Aktualität von Publikationen und Lehrbüchern

1.1 Aufbau auf vorhandenem Wissen

Wissenschaftliches Arbeiten erfolgt auf der Grundlage vorhandenen Wissens und im Streben nach neuen Erkenntnissen. Der jeweils aktuelle Stand der Forschung findet sich in

  • Publikationen (aktuell) und
  • Lehrbüchern (mit einem zeitlichen Verzug von etwa fünf Jahren und mehr; sie enthalten dafür kontinuierliche, tragfähige Aspekte wie Theorien, Modelle und wegweisende Erkenntnisse).

1.2 Wissen als vorläufig und prüfbar

Wissenschaftliches Wissen ist grundsätzlich vorläufig: Theorien unterliegen einem ständigen Prüfungs- und Erweiterungsprozess. Diese Haltung — Aussagen als prinzipiell revidierbar zu behandeln und offenzulegen, wie sie zustande kommen — unterscheidet Wissenschaft von nicht überprüfbaren Erkenntnisformen.


2 Publikationstypen und Aufbau einer Publikation

Lernziele:

  • Die wichtigsten Publikationstypen
  • Standardstruktur einer Publikation (IMRaD)

2.1 Publikationstypen

Wissenschaftliche Publikationen treten in verschiedenen Formen auf:

  • Empirische Studien — Originalarbeiten mit eigener Datenerhebung.
  • Literatur-Reviews — zusammenfassende Übersichtsarbeiten (inkl. systematischer Reviews und Metaanalysen).
  • Theoretische Artikel — Entwicklung oder Diskussion von Theorien.
  • Methodologische Artikel — neue Verfahren und Methoden.
  • Fallstudien — vertiefte Betrachtung von Einzelfällen.

2.2 Standardstruktur

Empirische Publikationen folgen einer weitgehend standardisierten Struktur — häufig als IMRaD zusammengefasst (Introduction, Methods, Results, and Discussion):

Standardabschnitte einer wissenschaftlichen Publikation.

AbschnittInhalt
TitelseiteTitel, Autor:innen, Affiliationen
AbstractKompakte Zusammenfassung
Einführung (Introduction)Hintergrund, Forschungslücke, Fragestellung/Hypothese
Methoden (Methods)Design, Stichprobe, Messung, Auswertung
Ergebnisse (Results)Befunde, Statistik, Abbildungen/Tabellen
Diskussion (Discussion)Einordnung, Limitationen, Ausblick
SchlussfolgerungKernaussage
ReferenzenVerwendete Literatur
Anhang (Supplements)Ergänzende Materialien

Standardabschnitte einer wissenschaftlichen Publikation.


3 Peer Review als Qualitätssicherung

Lernziele:

  • Peer Review als iteratives Qualitätssicherungsverfahren
  • PubMed als Bündelung peer-reviewter Literatur

3.1 Was bedeutet Peer Review?

Peer Review (englisch peer = Gleichrangige/r, review = Begutachtung) ist ein Verfahren zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Arbeiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen sich diesem Verfahren, damit der eigene Text durch die kritische Reflexion anderer, auf dem Gebiet ausgewiesener Fachleute überprüft werden kann. Das Peer-Review-Verfahren ist ein iterativer Prozess aus Begutachtung, Überarbeitung und erneuter Prüfung.

PubMed enthält im Kern Artikel, die einen Peer-Review-Prozess durchlaufen haben — ein zentraler Grund, warum diese Datenbank für die evidenzbasierte Recherche geeignet ist (siehe Vorlesung 4).


4 Gute wissenschaftliche Praxis (GWP)

Lernziele:

  • Zweck des DFG-Kodex zur guten wissenschaftlichen Praxis
  • Zentrale Prinzipien der Forschungsintegrität

4.1 Der DFG-Kodex

Die Denkschrift der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beinhaltet wesentliche Grundlagen und Rahmenbedingungen wissenschaftlichen Arbeitens. Der Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis” definiert verbindliche Standards für redliches Forschen.

4.2 Zentrale Prinzipien

Gute wissenschaftliche Praxis umfasst insbesondere:

  • Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen; keine Fälschung, Erfindung oder Manipulation von Daten.
  • Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit — vollständige Dokumentation von Methoden und Daten.
  • Korrekte Zitation und Anerkennung fremder Beiträge; Vermeidung von Plagiaten.
  • Transparenz bei Interessenkonflikten und Finanzierung.
  • Verantwortung gegenüber Gesellschaft, Umwelt und den beteiligten Personen.

Diese normative Selbstverpflichtung ist die Voraussetzung dafür, dass die Freiheit der Forschung nicht missbraucht wird.


One-Minute-Paper Topics

Ein One-Minute-Paper ist ein kurzer, fokussierter Impuls, den Sie am Ende der Sitzung in etwa 60 Sekunden beantworten, um das Gelernte zu festigen. Formulieren Sie präzise und nutzen Sie die Terminologie dieser Sitzung.

  • Nennen Sie die Standardabschnitte einer empirischen Publikation (IMRaD) und erklären Sie in einem Satz, welche Funktion die Diskussion hat.
  • Warum ist Peer Review ein iterativer Prozess, und was sichert er?

Prüfungsrelevante Fragen (S1)

  • Worauf baut wissenschaftliches Arbeiten auf und wonach strebt es?
  • Welche Publikationstypen kennen Sie, und wie ist eine Publikation aufgebaut?
  • Was bedeutet Peer Review?
  • Was regelt der DFG-Kodex zur guten wissenschaftlichen Praxis?

References

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (Kodex). https://www.dfg.de/foerderung/grundlagen_rahmenbedingungen/gwp/
  • Güllich, A. & Krüger, M. (Hrsg.) (2013). Sport: Das Lehrbuch für das Sportstudium. Springer-Verlag.
  • Döring, N. & Bortz, J. (2016). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. Springer.