Ein wissenschaftliches Paper lesen und schreiben
Table of Contents
- Warum lesen und schreiben Kernkompetenzen sind
- Der IMRaD-Aufbau im Detail
- Ein Paper kritisch lesen
- Ein Paper strukturiert schreiben
1 Warum lesen und schreiben Kernkompetenzen sind
Lernziele:
- Lesen und Schreiben als wissenschaftspropädeutische Kernkompetenzen
- Lesen als selektiver, nicht-linearer Prozess
1.1 Zwei Seiten derselben Kompetenz
Wer Evidenz findet (Vorlesung 4) und bewertet (Vorlesung 5), muss sie auch verstehen und selbst kommunizieren können. Das kritische Lesen und das strukturierte Schreiben sind daher zwei Seiten derselben wissenschaftspropädeutischen Kernkompetenz.
Zwei einführende Ressourcen begleiten diese Sitzung:
- How to (seriously) read a scientific paper (Science): https://www.science.org/content/article/how-seriously-read-scientific-paper
- How to write a scientific paper (FSU-Cloud): https://cloud.uni-jena.de/s/YDWokByGtJ4ZYkL
1.2 Lesen ist nicht linear
Erfahrene Leser:innen arbeiten ein Paper nicht von der ersten bis zur letzten Zeile durch. Sie orientieren sich zunächst an Titel, Abstract und Abbildungen, klären die Fragestellung und lesen gezielt die Abschnitte, die ihre eigene Frage beantworten.
2 Der IMRaD-Aufbau im Detail
Lernziele:
- Funktion der vier IMRaD-Abschnitte
- Leitfrage je Abschnitt
2.1 Die vier Kernabschnitte
IMRaD steht für Introduction, Methods, Results and Discussion. Jeder Abschnitt beantwortet eine eigene Leitfrage:
IMRaD-Struktur und Leitfragen.
| Abschnitt | Leitfrage | Kerninhalt |
|---|---|---|
| Introduction | Warum wurde die Studie gemacht? | Hintergrund, Forschungslücke, Hypothese |
| Methods | Wie wurde vorgegangen? | Design, Stichprobe, Messung, Statistik |
| Results | Was kam heraus? | Befunde, Kennzahlen, Abbildungen/Tabellen |
| Discussion | Was bedeutet das? | Einordnung, Limitationen, Ausblick |
IMRaD-Struktur und Leitfragen.
Ergänzt werden diese Kernabschnitte durch Titel, Abstract, Referenzen und ggf. Supplements (vgl. Vorlesung 3).
2.2 Die „Sanduhr”-Logik
Introduction und Discussion folgen häufig einer Sanduhrform: Die Einleitung führt vom Allgemeinen (Forschungsfeld) zur spezifischen Fragestellung; die Diskussion weitet den Blick von den konkreten Ergebnissen zurück zur allgemeinen Bedeutung.
3 Ein Paper kritisch lesen
Lernziele:
- Eine effiziente Lesereihenfolge
- Kritische Prüffragen an Methodik und Ergebnisse
3.1 Empfohlene Lesereihenfolge
- Titel & Abstract — Passt das Paper zu meiner Frage?
- Abbildungen & Tabellen — Was sind die zentralen Befunde?
- Introduction — Welche Hypothese wird geprüft?
- Methods — Ist das Design geeignet, die Hypothese zu prüfen?
- Results — Stützen die Daten die Aussagen?
- Discussion — Sind die Schlussfolgerungen gerechtfertigt? Welche Limitationen nennen die Autor:innen?
3.2 Kritische Prüffragen
- Ist die Fragestellung klar (idealerweise im PICO-Format erkennbar)?
- Passt der Studientyp zur Fragestellung, und wo liegt er in der Evidenzhierarchie?
- Sind Stichprobe, Messungen und statistische Verfahren angemessen und nachvollziehbar?
- Werden Limitationen offen benannt? Gibt es Interessenkonflikte?
- Werden aus deskriptiven Befunden unzulässige normative Schlüsse gezogen (naturalistischer Fehlschluss, vgl. Vorlesung 2)?
4 Ein Paper strukturiert schreiben
Lernziele:
- IMRaD als Schreibgerüst
- Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis beim Schreiben
4.1 Von der Frage zum Text
Gutes wissenschaftliches Schreiben spiegelt die Forschungslogik: Aus einer präzisen Fragestellung/Hypothese (Introduction) folgt ein passendes Design (Methods), das zu Ergebnissen (Results) führt, die in der Diskussion eingeordnet werden. Jeder Abschnitt sollte nur enthalten, was zu seiner Leitfrage gehört — Ergebnisse gehören nicht in die Methoden, Interpretationen nicht in die Ergebnisse.
4.2 Redlichkeit beim Schreiben
Beim Schreiben gelten die Prinzipien der guten wissenschaftlichen Praxis (Vorlesung 3): korrekte Zitation, keine selektive Darstellung von Ergebnissen, transparente Angabe von Methoden, Daten und Interessenkonflikten. So bleibt der Text nachvollziehbar und überprüfbar.
One-Minute-Paper Topics
Ein One-Minute-Paper ist ein kurzer, fokussierter Impuls, den Sie am Ende der Sitzung in etwa 60 Sekunden beantworten, um das Gelernte zu festigen. Formulieren Sie präzise und nutzen Sie die Terminologie dieser Sitzung.
- Nennen Sie die vier IMRaD-Abschnitte und je die Leitfrage, die sie beantworten.
- Beschreiben Sie in zwei bis drei Schritten, in welcher Reihenfolge Sie ein unbekanntes Paper effizient lesen würden.
Prüfungsrelevante Fragen (S2)
- Wie ist ein wissenschaftliches Paper aufgebaut (IMRaD)?
- In welcher Reihenfolge liest man ein Paper sinnvoll und warum nicht linear?
- Welche kritischen Prüffragen stellt man an Methodik und Schlussfolgerungen?
- Welche Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis gelten beim Schreiben?
References
- Pain, E. (2016). How to (seriously) read a scientific paper. Science Careers. https://www.science.org/content/article/how-seriously-read-scientific-paper
- Institut für Sportwissenschaft, FSU Jena. How to write a scientific paper. https://cloud.uni-jena.de/s/YDWokByGtJ4ZYkL
- Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (Kodex).
- Güllich, A. & Krüger, M. (Hrsg.) (2013). Sport: Das Lehrbuch für das Sportstudium. Springer-Verlag.